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  • Der arme, reiche Mann

    Es war einmal ein alter Mann der zeitlebens ehrlich und tüchtig war, es aber nicht zu Wohlstand gebracht hatte. Seine Frau war gestorben, er lebte sehr bescheiden aber gab sogar noch anderen. Klopfte ein Bettler an seine Tür so bat er ihn gastfreundlich herein, teilte sein Essen mit ihm und wenn er mal ein Stück Fleisch hatte, so gab er das dem Bettler. Er dachte bei sich „du hast jeden Tag etwas auf dem Tisch, der arme Mann sicherlich nicht. Also soll er sich hier richtig satt essen“

    Selbst Brotkrümel warf er nicht fort sondern fütterte damit die Vögel. Er ging Sonntags zur Kirche und warf auch immer etwas in den Klingelbeutel. Aber der Mann grämte sich, weil er nicht mehr geben konnte. Oftmals haderte er mit seinem Schicksal und sprach im Stillen zu Gott „ich habe meinem König treu gedient, ich habe immer gearbeitet und war niemals verschwenderisch. Ist das der Lohn dafür, dass man jeden Pfennig dreimal umdrehen muss? Warum hast Du mich nicht Kaufmann werden lassen, wie den dicken Johann Kramer? Oder Apotheker wie den Jakob Unzling? Warum wurde ich nicht auf einem schönen Hof geboren wie der Bauer Hans Scheffel? Warum geht’s nicht ein klein bisserl gerechter auf der Welt zu?
    Eines Tages im Winter klopfte es bei ihm und ein zerlumpter steinalter Mann stand vor der Tür.

    Seine Kleider waren so abgetragen, dass sie kaum noch zusammen hielten und er selbst war sehr schwach. Der Mann holte den Bettler in sein Haus und richtete als erstes sein eigenes Bett, damit der Greis sich wärmen konnte und kochte eine Brotsuppe. Die war aber sehr dünn und konnte kaum die Lebensgeister wecken. Der Bettler fieberte und stöhnte, konnte kaum etwas essen. „Dem Mann muss geholfen werden sonst stirbt er“ dachte der Arme bei sich, legte noch etwas Holz ins Feuer und versprach dem Bettler bald zurück zu sein. Dann machte er sich auf den Weg zum Bauern Scheffel, klopfte an dessen Tür und bat um ein altes Huhn für eine kräftige Suppe. Nicht für sich selbst, betonte er und Bauer Scheffel fragte neugierig für wen es denn sein solle?! Der Mann erklärte es kurz und Bauer Scheffel schaute ihn verschlagen an: „so so, du willst den barmherzigen Samariter spielen, den der Pfarrer in der Predigt so oft erwähnt? Dann musst du auch die Kosten tragen! Überschreibe mir deinen kleinen Acker und du bekommst das Huhn!“ Der arme Mann stotterte „aber… ich habe doch nur dieses kleine Stückchen Land was du Acker nennst! Darauf baue ich Kartoffeln und Kohl für den Winter an – sofern ich Saatgut habe, damit ich im Winter etwas zu essen habe!“ „Ja und?“ fuhr ihn der Bauer an „umsonst ist nicht einmal der Tod!“ und wollte die Tür zuschlagen. Doch der Mann willigte ein und der reiche Bauer gab ihm ein altes, zähes Huhn „das lass nur recht lange kochen, da macht dich der Geruch schon satt“
    .
    Der Mann eilte nach Hause und setzte einen großen Topf mit Wasser über dem Feuer auf in den er das Huhn gab. Er ging zum Bettler und erschrak weil dieser wie das Feuer selbst im Fieber glühte. Er machte sich erneut auf den Weg, diesmal zum Apotheker. Unwillig über die späte Störung öffnete dieser die Tür „was willst du?“ fragte er als er den Mann erkannte. „Ich brauche Medizin gegen Fieber, ganz dringend“ „Wozu? Du scheinst kein Fieber zu haben?!“ lachte der Apotheker. „Nein, ich nicht! Aber ein Bettler stand vor meiner Tür und der leidet Fieberqualen!“ erwiderte der Mann „Ach so, du willst den barmherzigen Samariter spielen, den der Pfarrer in der Predigt so oft erwähnt? Die Medizin kostet aber!“ „Ich habe doch nichts! So gebt mir doch um der Barmherzigkeit Willen etwas von der Medizin!“ „Barmherzigkeit? Davon kann ich nicht leben, aber du hast zwei Goldringlein an deiner Hand, gib mir einen davon und du bekommst was du brauchst“ Der Mann erschrak – die Ringe waren die Eheringe von ihm und seiner verstorbenen Frau. Er dachte bei sich: gib ihm deinen Ring, den Ring deiner Frau behältst du zum Andenken an sie. Und so willigte er ein. Der Apotheker gab ihm ein kleines Tütchen mit Kräutern aus dem er einen Sud kochen und heiß verabreichen sollte.

    Er eilte nach Hause, bereitete den Tee und flößte ihm dem Greis ein. Beruhigt sah er, dass der Alte ruhiger atmete und nach einiger Zeit das Fieber tatsächlich sank. Nun legte er sich selbst auf den Boden vor dem Feuer und schlief sofort ein. Ihm träumte dass er auf einer große Wiese ging, so groß dass man weder Anfang noch Ende sehen konnte. Kristallklare Bäche plätscherten sacht, überall wuchsen Obstbäume mit den herrlichsten Früchten und Vögel zwitscherten. Und noch etwas war zu hören, eine wundersame Melodie die sich in die Seele grub und alle Sehnsucht stillte.

    Am Morgen ging es dem Bettler sehr viel besser und dankbar schlürfte er die heiße Hühnerbrühe, die der Mann ihm gänzlich überließ während er selbst nur trockenes Brot aß. Er sprach zu dem Alten : “bleib nur noch hier bis du wieder gesund bist, es wird wieder kälter und hier ist es warm. Gehst du jetzt fort wirst du wieder richtig krank.“ Der Bettler blickte ihn dankbar an und sank wieder aufs Bett, denn er war noch recht geschwächt. Der Mann überlegte, dass der Alte in dem Zeug schneller den Tod finden würde als er sich umdrehen kann. Da er selbst nur das hatte, was er am Leibe trug, machte er sich wieder auf den Weg, diesmal zum Kaufmann Kramer. Er betrat das Kontor und wartete, bis der Kaufmann ihn ansprach. „Nun? Was möchtest du?“ „Ich komme nicht meinetwegen, es ist so dass ich Sie um einen einfachen Mantel bitten möchte – und vielleicht um ein Paar Schuhe. Gebraucht natürlich!“ Denn der Kramer-Kaufmann nahm auch getragene Kleidung in günstige Zahlung, die er hin und wieder ‚der Kirche‘ für Bedürftige spendete, natürlich nicht ohne sich deswegen vom Pfarrer von der Kanzel herab loben zu lassen. „Ich denke, ich spende genug?!“ sprach der Kaufmann „ aber ich sehe du willst den barmherzigen Samariter spielen, den der Pfarrer in der Predigt so oft erwähnt? Wenn das so ist, musst du auch selbst dafür aufkommen, hier hätte ich einen groben Leinenstoff, daraus kannst du einen schönen Mantel nähen und hier, ein Paar Schuhe, die Löcher in der Sohle musst du selbst dichten. Dafür gibst du mir den kleinen schmalen Ring den du trägst“

    Der Mann war den Tränen nahe, das einzige was ihn an seine Frau erinnerte – aber zuletzt dachte er „meine Frau sitzt in meinem Herzen, ich werde mich auch ohne Ringlein immer an sie erinnern. Aber der Alte zuhause würde den Winter nicht überleben.“ Und so willigte er ein. Weil er aber kein Nähzeug hatte, ging er zum Pfarrhaus und erbat sich dort von der Pfarrköchin etwas Garn und eine Nadel. Sie bot ihm sogar an, den Mantel für ihn zu nähen – als der Pfarrer hinzu trat. „Ich habe gehört du willst den barmherzigen Samariter spielen, den ich in der Predigt so oft erwähnt habe? Und dafür meine Köchin von ihrer gottgefälligen Arbeit abhalten? Nun, um der Nächstenliebe willen soll sie dir von IHREM Garn und eine IHRER Nadeln abgeben. Und sie kann dir auch den Mantel zuschneiden – nähen musst du ihn aber selbst. Doch das ist nicht ganz umsonst, was kannst du geben?“ Der Mann überlegte kurz und bot an: „ich werde im Sommer das feinste Bienenwachs sammeln und daraus duftende Kerzen für die Kirche gießen, die könnt ihr dann segnen und für den Altar nutzen“ „Unsere Kerzen für die Kirche müssen schön, weiß und gerade sein. Und solche Kerzen bekomme ich nur vom Bischof der sie auch segnet. Was also soll ich mit deinen krummen Kerzen? Meinst du, ich kann sie dem Bischof zum segnen vorlegen? Das käme Blasphemie gleich!“ Sprachs und schlug dem Manne die Tür vor der Nase zu.


    Dieser wandte sich traurig ab, aber die Köchin schlich sich durch den Garten, schnitt ihm den Mantel zu und gab ihm Garn und Nadel, sagte ihm wie er die Arbeit am besten schaffte und schlich zurück ins Haus. Der Mann eilte nach Hause und zeigte dem Greis seine Schätze. Dieser lächelte mild und sprach: „du erinnerst mich an den barmherzigen Samariter“ und schlief wieder ein. Der Mann setzte sich an seinen Tisch und nähte den Mantel zusammen, er fand auch noch ein paar Lederreste mit denen er die Schuhsolen reparierte. Abends aßen die beiden zusammen den Rest Brühe mit Brotbröckchen drin und beide waren satt und es schmeckte ihnen sehr. In der Nacht hatte der Mann einen schlimmen Traum. Er träumte von einem tief in der Erde befindlichen Gewölbe. Alles war schwarz aber überall brannten Feuer. Sie erinnerten ihn an das, was der Pfarrer über das Fegefeuer gepredigt hatte und er hörte im Traum lautes Wehklagen und schreien, durchsichtige Arme griffen aus den Feuern ins Leere und selbst im Traum grauste es dem Manne.


    Ängstlich wachte er auf und glaubte seinen Augen nicht zu trauen: auf dem Strohlager auf dem er den Bettler wähnte, saß ein wunderschöner Engel, ganz umgeben von weißem und goldenem Licht. Er lächelte und sprach zu dem Mann: „deine Träume haben dir die Gerechtigkeit gezeigt. Manchmal gefällt es Gott unserem Herrn Gerechtigkeit während des Erdendaseins walten zu lassen. Aber die wahre Gerechtigkeit erfährt man erst nach der Bewährungszeit auf der Welt. Deine Träume haben dir gezeigt wie gerecht es im Reich Gottes vor sich geht. DU wirst in den Paradiesgarten kommen und das Wehklagen welches du heute Nacht im Traum gehört hast, war das Wehklagen des Scheffel, des Kramer, des Unzling und des Pfarrers!


    Nachdem er dies gesprochen hatte, erhob sich der Engel, verabschiedete sich herzlich dankend für die Gastfreundschaft – und war verschwunden. Der Mann saß noch immer wie betäubt auf dem Boden und dachte über das nach was ihm gerade wiederfahren war als er eine liebe und vertraute Stimme hörte die ihn rief. Er lauschte und erkannte die Stimme seiner Frau. Glücklich sank er wieder nieder, schloss die Augen um diesen Traum fest zu halten. Und seine Frau kam, wunderschön wie bei ihrer beiden Vermählung, reichte ihm die Hand und nahm ihn mit sich fort in den Paradiesgarten Gottes.
    © by Eulencamperin

  • Butterbrot und Ameise - Lachgeschichte

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    Die Geschichte vom Butterbrot und der Ameise

    Einmal ist ein Kind mit Mutter und Vater im Wald gewesen, und sie haben unterwegs Butterbrote gegessen im Wald. Das Kind hat ein Stück Brot verloren, es hat gar nichts davon gemerkt.

    Eine Ameise hat das Brot gefunden, und zuerst hat sie sich sehr gefreut. aber das Brot war so groß und schwer, und die Ameise war so klein, sie konnte das Brot nicht in den Ameisenbau tragen.

    Da ist das Wildschwein gekommen, das hat einen großen Happen vom Brot abgebissen. Aber der Jäger ist durch den Wald gegangen, und das Wildschwein ist erschrocken und weggerannt.

    Da ist das Reh gekommen, das hat auch ein Stück von dem Brot gefressen. Aber ein Flugzeug ist über den Wald geflogen, und das Reh ist erschrocken und weggelaufen.

    Da ist ein Hase gekommen der hat auch von dem Brot gefressen. Aber irgendwo hat ein Hund gebellt, und der Hase ist erschrocken und weggesprungen.

    Da ist das Mäuschen gekommen, das hat auch an dem Brot geknabbert. Aber ein Blatt hat im Wind geraschelt, und das Mäuschen ist erschrocken und in sein Mauseloch geschlüpft.

    Da war von dem Brot nur noch ein winziges Krümelchen übrig, das war so leicht, das konnte die Ameise tragen. Und sie war froh und hat das Brotkrümelchen schnell in den Ameisenbau gebracht.

    Viel Grüsse und einen schönen Tag
    Nachbarin

  • Der kranke Frühling

    Der kranke Frühling
    Es war einmal ein kleines Mädchen. Das musste jeden Tag in die Kälte hinaus und Holz sammeln, damit die Mutter zuhause die Stube wärmen und einfache Brotsuppe kochen konnte. Der Winter dauerte nun schon so lange, der April hatte längst begonnen und überall lag noch hoher Schnee. Kein mildes Lüftchen wehte, kein grünes Kräutlein wuchs und die Vögel konnten nicht mehr zwitschern weil die Töne sofort gefroren. Das Mädchen sammelte jeden Tag länger und musste weiter laufen um noch Holz zu finden. Auf ihren Wegen sah sie die Tiere des Waldes, die Baumrinden abnagten weil sie nichts anderes fanden. Sie fand auch manch armes erfrorenes Tier, steif und kalt lagen sie am Wegesrand und das Mädchen war darüber sehr traurig.
    Ihre Mutter machte sich große Sorgen, weil sie nichts mehr zu essen hatten außer hartem Brot, doch auch das ging zur Neige. "Wann kommt denn endlich der Frühling" seufzte die Mutter oft "damit ich zum Markt gehen, meine Näharbeiten anbieten und etwas zu essen kaufen kann" Doch der Winter hielt sein strenges Regiment. Eines Tages ging das Mädchen sehr weit um noch Holz zu finden, doch weit und breit lag nichts an der Erde und die Bäume hatten einen Eispanzer um den Stamm. Das Mädchen war erschöpft und traurig, sie sank an einem der Bäume hin und lehnte sich an den Stamm.Hmmm" säuselte der Baum nach einer Weile " mir wird recht warm dort wo du sitzt"

    Das Mädchen war erstaunt dass der Baum sprach und sah ihn verwundert an "du kannst sprechen? Oder spielt der Wind mir einen Streich?" überlegte sie laut. "Ich spiele keine Streiche" säuselte der kalte Nordwind "Oh" rief das Mädchen "aber du sprichst mit mir?" "Manchmal hören mich Menschen" antwortete der Wind "oder sie hören die Bäume, die Blumen, das Gras. Aber nur die, die reinen Herzens sind!" "Ach lieber Wind, sag mir doch bitte wann der Frühling kommt! Wir warten schon so lange auf ihn!" "Der Frühling ist krank! Er hat keine Kraft und liegt im Sterben" Das Mädchen begann zu weinen und seine Tränen verwandelten sich gleich in kleine Eisperlen. "Warum weinst du?" fragte der Wind "müssen nicht alle mal sterben?" "Ja aber wenn der Frühling nicht gesund wird müssen wir ja ganz lange auf den Sommer warten!" "Der Sommer? Der kommt nur wenn der Frühling schon da war. Kommt der Frühling nicht, bleibt der Sommer auf der anderen Erdhälfte. Und bevor du fragst – der Winter geht erst, wenn der Frühling bereit ist. Und da das nicht geht weil ja der Frühling krank ist und sterben muss, wird der Winter für immer bleiben" Und der Nordwind pfiff recht laut um zu zeigen, dass es ihm eigentlich ganz recht war, denn er tobte gerne mit den Schneeflocken, ließ sie durch die Luft tanzen und ließ sie irgendwann zu Eiszapfen erstarren. Er pfiff noch einmal und zog mit lautem heulen weiter.

    "Weine nicht mehr" wisperte der Baum dem Mädchen zu "der Frühling war schon oft krank, schwer krank – aber er konnte geheilt werden. Von Kindern wie dir!" "Wie kann man denn dem Frühling helfen?" fragte das Mädchen "ich weiß ja nicht einmal wo er ist?!" Indem es sprach fiel ein kleiner Vogel wie tot vor ihm nieder. Es bückte sich und hob ihn auf "sein Herz klopft noch" rief es erschrocken aus und begann ihm mit seinem Atem zu wärmen. "Höre" sprach der Baum " dort wo du mich gewärmt hast ist der Panzer aus Eis geschmolzen. Nimm vorsichtig etwas Rinde ab, darunter wirst du genug Gewürm finden um dem Vogel zu helfen. Er ist kurz vor dem verhungern" Das Mädchen tat was ihm der Baum geraten hatte und der kleine Vogel schlang gierig die dargebotenen Leckerbissen herunter. Das Mädchen steckte den Vogel in seine Tasche, wickelte noch ein paar Würmchen in sein Tuch und sprach zu dem Baum, dass es dem Frühling auch helfen wolle. Den Baum freute es , auch wenn er es nicht zeigen konnte und versprach dem Mädchen zu helfen. Er rief den Südwind und bat ihn, dem Mädchen den Weg zum Berg der Jahreszeiten zu zeigen. Der Südwind zwackte eine kleine Brise ab und die wehte vor dem Mädchen her und wo sie längs strich, tauten Schnee und Eis und das Mädchen brauchte nicht mehr frieren. Am Abend standen sie vor einem großen Berg und das laue Lüftchen verabschiedete sich von dem Mädchen, sagte ihm noch wie es in den Berg hinein käme und verwehte.

    Das Mädchen fand, wie vom Lüftchen verraten, das große Tor im Berg und rief so laut es konnte "Berg der Jahreszeiten, lass mich ein!" und das Tor öffnete sich etwas , so dass es hinein schlüpfen konnte. Drinnen im Berg stand es staunend still und sah sich um. Es funkelte von Gold und Diamanten, alles war hell und freundlich und warm. Vier Türen waren dort, an jeder stand der Name einer Jahreszeit. Sie waren verschlossen, allein die Tür den Winters war leicht geöffnet. Das Mädchen fasste sich ein Herz und ging auf diese Tür zu. Plötzlich donnerte es laut aus jenem Raum und eine häßliche Lache war zu hören. "Hui!" rief der Winter "das war eine recht große Lawine!" und freute sich. Dem Mädchen ward richtig bang ums Herz und sie schlich davon. Zu gräßlich sah der Winter aus in seiner Kälte.

    Recht grimmig sein lachen und schadenfroh sein Gesicht. Das Mädchen ging leise auf die Tür des Frühlings zu, wusste aber nicht wie sie diese öffnen sollte. Zaghaft klopfte es. "es war zu leise" dachte es bei sich, traute sich aber auch nicht lauter zu klopfen, aus Angst der Winter könne sie hören. Plötzlich wurde ihr heiß, richtig heiß und eine Stimme sprach leise, wie Grillengezirpe zu ihr " was tust du hier? Willst du zum Frühling?" Das Mädchen erkannte den Sommer und nickte. Der Sommer öffnete die Tür zum Frühling und das Mädchen schlüpfte hinein. Drinnen war überall helles Grün, Schneeglöckchen, Krokusse, Schlüsselblumen blühten, Weidenkätzchen und Blüten an den Bäumen. In der Mitte stand ein großes Bett, darin lag ein steinalter Mann.

    Zaghaft trat das Mädchen auf das Krankenlager zu und schaute den Alten unverwandt an. Endlich fasste es sich ein Herz und sprach ihn an "Herr Frühling?" Doch es bekam keine Antwort. Ihr fiel auf, dass außer ihrer Frage kein Ton zu hören war. In Ihrer Tasche regte sich der kleine Vogel und sie nahm ihn heraus, gab ihm das letzte Würmlein. Der kleine Vogel saß auf ihrer Hand und putzte sich das Gefieder. Dankbar warf er einen Blick auf das Mädchen, schüttelte sich und flog auf. Er flatterte durch das Frühlingszimmer und ließ sich auf einem blühenden Kirschzweig nieder.
    Er hob das Köpfchen und sang. Er sang so wunderschön von warmen Sonnenstrahlen und bunten Blumenteppichen. Sein Gesang ließ den Frühling erwachen, er blickte sich verwundert um und sprach leise " wer singt hier so wunderschön und weckt mich?" als er auch schon das Vögelchen erblickte. "Wo kommst du denn her?" fragte der Frühling, doch der Vogel sang einfach nur weiter. Das Mädchen fasste sich ein Herz und sprach "ich habe ihn mitgebracht" Der Frühling setzte sich in seinem Bett auf. "Bist du gekommen um mich zu heilen?" fragte er das Mädchen, welches nur stumm nicken konnte. "Woher hast du den Vogel, ist das deiner?" wollte der alte Frühling wissen. "Nein" sprach das Mädel jetzt mit fester Stimme " Vögel können einem nicht gehören. Und wenn dann gehören sie dem Himmel. Gott hat sie zur Freude aller Menschen geschaffen und man darf sie nicht einsperren" und dann erzählte sie, wie sie zu dem Vögelchen gekommen war. Der Frühling seufzte. "Habe ich wieder so lange geschlafen, dass Menschen und Tiere Not leiden müssen?" "Ihr seid krank" sprach das Mädchen, "deswegen liegt ihr im Bett" -  "Ja" erwiderte der alte Mann Frühling, "ich werde immer ganz schwach und krank wenn ich die Kälte der Menschen sehen und fühlen muss. Wenn mein Bruder, der Winter, sogar friert weil die Menschen kaltherzig sind und sich für nichts und niemanden erwärmen können" "Aber es sind doch nicht alle Menschen so!" rief das Mädchen aus "es gibt auch Menschen, die anderen helfen und ein gutes Herz haben!"

    "Ja, das stimmt wohl" sprach der Frühling " doch es werden immer weniger! Anderen etwas abgeben denen es nicht so gut geht, nicht immer auf den eigenen Vorteil bedacht sein…. ‘‘ Er machte eine Pause, dann stand er auf. Er nahm das Mädchen bei der Hand und ging mit ihr über seine Frühlingswiesen zu einem kristallklarem Bach. "Sieh her" er zeigte auf das Wasser und tippte mit dem Finger hinein. Es entstand ein Bild von einem Bettler, dem gerade die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde. "Oder hier" wieder tippte der Frühling ins Wasser und man sah zwei Jungen von dem der eine dem anderen das Stück Brot wegnahm um es auch noch zu essen. "Und hier" wieder berührte er das Wasser mit einem Finger und sie sahen, wie ein reicher Bauer seinen Knecht auslachte, weil der nichts mehr zu essen vorfand.

    "Solange Liebe und Hoffnung, Großmut und Güte aus den Herzen der Menschen verbannt sind, werde ich nicht mehr erscheinen können" erklärte der Frühling dem Mädchen. Nun berührte das Mädchen das Wasser und sie sahen die Stube ihrer Mutter. Ein Bettler saß an ihrem Tisch und aß Brotsuppe, die die Mutter ihm hingestellt hatte. Sie erkannten beide den Bettler, der gerade vorher an einer anderen Tür verjagt wurde. Er aß dankbar das karge Gericht, froh darüber in einer trockenen Stube etwas Warmes essen zu können. "Ihr seid großherzig" dankte er der Mutter " eine Eigenschaft die es kaum noch gibt" Die Mutter schaute den Bettler sorgenvoll an und antwortete " mein kleines Mädchen ist draußen um Holz zu sammeln. Sie ist schon so lange fort und ich hoffe, dass auch sie irgendwo Herberge findet und dass man ihr etwas zu essen gibt. Ich weiß dass wir wegen des langen Winters schwere Zeiten haben, aber ich hoffe und bete für meinen kleinen Sonnenschein" und Tränen liefen ihr über das Gesicht.
    Der Frühling wandte sich von dem Bild ab. Es hatte ihn tief ergriffen. "Ich bin froh dass du zu mir kamst! Du hast mir gezeigt, dass es noch Liebe, Güte, Hoffnung unter den Menschen gibt" Er stand auf, streckte sich, öffnete sein Fenster und blies warmen Wind in die Welt. Alsbald taute der Schnee und er seufzte: "mögen doch die kältesten Herzen so auftauen wie der Schnee und das Eis meines Bruders!" Er sei nun wieder genesen erklärte er dem Mädchen und forderte sie auf zum Dank etwas von dem Gold und den Diamanten aus der großen Vorhalle mit zu nehmen. Da das Mädchen sich nicht getraute gab er ihr eine kleine Geldbörse "es ist eine Börse die niemals leer wird. Nimm sie und tu Gutes damit" Damit entließ er das Kind und ehe es sich versah, stand es wieder vor dem Berg. Aber Schnee und Eis waren verschwunden, es war warm und überall blühte es. Das kleine Vögelchen, welchem sie das Leben gerettet hatte zwitscherte und flog vor ihr her, zeigte ihr den Weg nach Hause. Ihre Mutter war überglücklich und staunte über das Abenteuer welches das Töchterlein erlebt hatte. Das Mädchen hielt sein Versprechen gegenüber dem Frühling, es tat mit dem Geld Gutes, sie bauten eine Herberge für Wanderer und Bettler und alle wurden freundlich aufgenommen und bewirtet. Und das Mädchen freute sich, weil der Frühling gesund war und durch ihre und ihrer Mutter Herzensgüte nicht mehr krank wurde.
    (© Eulencamperin)

  • Die eitle Krähe

    Es war einmal.. eine Krähe, die entschloß sich, weiter weg von zu Hause und den Freunden zu fliegen als sonst. Bald traf sie auf ein Gruppe Pfauen.

    Was für wunderschöne Vögel sie waren! Die Krähe hatte noch nie so schöne Federn gesehen und fragte die Vögel, was sie wären.

    "Wir sind Pfauen", sagte einer von ihnen und schlug ein Rad.
    Und als der Pfau herumstolzierte und der Krähe sein prächtiges Federkleid zeigte, stieß er einen Pfauenschrei aus. Die Krähe verabschiedete sich und flog nach Hause, die beiden Pfauen konnte sie aber nicht vergessen.

    "So schöne Federn: Wie glücklich müssen sie sein, daß sie so schön sind." Sie blickte traurig auf ihre eigenen häßlichen Federn. Von dem Tag an konnte sie nur noch an die Schönheit der Pfauen und ihre eigenen einfachen Federn denken.

    Sie begann den Pfauen aufzulauern, und je mehr sie diese herumstolzieren sah, desto eifersüchtiger wurde sie. Eines Tages merkte sie, daß ein Pfau eine Feder verloren hatte. Die Krähe hob sie auf und versteckte sie. An einem anderen Tag fand sie erneut eine Feder. Als sie vier Stück hatte, steckte sie die Federn in ihr eigenes Gefieder und fing an, vor ihren Freunden auf und ab zu laufen, damit sie ihren Schwanz bewundern konnten.

    "Seht nur mein traumhaftes Gefieder!" sagte sie stolz. "Ich bin nicht so häßlich wie ihr! Geht weg, ihr vermotteten Krähen!"

    Die Krähen lachten über sie. "Du bist nichts als eine Krähe, auch mit den bunten Federn da!" spotteten sie.

    "Und ihr seid genau so dumm wie häßlich!" antwortete die eitle Krähe und flog fort, um mit den Pfauen zu leben. Als die Pfauen sie sahen, glaubten sie, sie sei ein Pfau, der fast alle seine Federn verloren hatte und sie hatten Mitleid mit ihr. Aber die Krähe wollte noch mehr Aufmerksamkeit. Sie versuchte, wie die Pfauen zu kreischen, wenn sie ein Rad schlagen. Aber das harte "Kra! Kra! Kra!" verriet die Krähe schnell. Die verärgerten Pfauen schnappten sich die gestohlenen Federn und jagten die Krähe davon. Arme Krähe! Traurig und entmutigt flog sie zurück zu ihren Freunden, aber keiner wollte mit ihr reden. Alle Krähen drehten ihr den Rücken zu, weil sie versucht hatte, etwas zu sein, was sie nicht war.

    Sollten wir uns nicht auch ab und zu an der Nase ziehen? Es heißt doch in einen Sprichwort "Du bist stolz wie ein Pfau"

     

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  • Nur ein kleines Mäuschen?

    Diese kleine Schmunzel-Geschichte fand ich heute in der Zeitung.

    „In meinem Zimmer ist eine Maus“, sagt mein Mann empört zu mir. „Sie saß auf meinem Aktenkoffer, schaute mich dreist mit schwarzen Knopfaugen an und verschwand blitzschnell hinter dem Bücherschrank.
    Her mit Speck und Mausefalle!“ „Ach“, antwortete ich, „die kenne ich, das ist Mausi! Die ist am Sonntag mal kurz in der Stube gewesen, als ich mit Aaron (das ist der Hund) auf dem Sofa saß. Aaron und ich waren uns am kuscheligen Kaminfeuer wortlos einig, bei diesem eisigen Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür und schon gar nicht so eine kleine Maus!“

    Mein Mann ist ganz anderer Meinung! Mäuse zernagen und zerstören alles, was nicht niet- und nagelfest sei, sie schleppen nur Bakterien ins Haus und koten alles voll! Dabei drückt er sich zwar weniger gewählt aus und redet sich richtig in Rage. Nicht wundern sollte ich mich, wenn eines Tages das Dachgebälk über uns zusammenbräche, weil meine Mausi und ihre unzähligen Nachkommen
    (woher weiß er um die Größe ihrer Familie?) oben auf dem Boden die Holzsparren zermalmt hätten! Auch wäre unsere Speisekammer vor Überfällen solcher Heerscharen nicht mehr sicher und recht bald müssten wir beide mit gesundheitlichen Schwierigkeiten rechnen!
    Na ja, denke ich, eigentlich hat er ja Recht. Und bevor er Giftweizen streut oder den Rattenfänger von Hameln anruft, rücke ich die Mäuse-Lebendfalle heraus.

    Der Frühling naht und bald wird es wärmer. Ich könnte Mausi dann im Wald aussetzen. Ich meine aber, sie geht gar nicht erst hinein in die Falle, denn Mausi ist bestimmt nicht dumm, wohnt sie doch nicht ohne Grund im Bücherschrank!

    Autorin: Helga Schroetter

    Euch allen einen guten Wochenbeginn
    und
    liebe Grüße,
    Lilo.

  • Der Holzwurm

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    In einem Wohnzimmer stand einmal eine wunderschöne, alte Uhr.
    Sie war vielleicht hundert Jahre alt und fühlte sich deshalb viel zu edel, um mit einem einfachen Schrank oder gar einem Stuhl ein Gespräch anzufangen. Eines Tages, als die Uhr mit mächtigen Schlägen vier Uhr schlug, daß der Stuhl zu wackeln begann, kroch ein Würmchen die Wohnzimmerwand hinauf, genau auf die alte Uhr zu. Der Holzwurm suchte eine geeignete Stelle, an der er ungestört das Bohren beginnen könnte, als ihn die Uhr bemerkte.

    "Du wirst es nicht wagen!" schrie sie entsetzt. "Ich bin das wertvollste Möbelstück hier im Raum! Es ist schon schlimm genug, daß ich mich mit so etwas wie dir überhaupt abgeben muß!" - Der Holzwurm aber blieb ungerührt und krabbelte über das Zifferblatt, denn die Verzierungen darüber schienen ihm am geeignetsten, um mit dem bohren zu beginnen.

    "Ich bin sogar schon im Spreisezimmer eines Königs gestanden und niemand hat es gewagt, mich anzurühren! Nur der König persönlich durfte meine Zeiger stellen!" versuchte die Uhr den Holzwurm einzuschüchtern. Doch der Holzwurm hatte endlich die richtige Stelle gefunden, und zielstrebig bohrte er sich in das altertümliche Holz.

    Mit vollen Backen meinte er: "Was kümmert mich dein alter König!" und leise und unbekümmert bohrte er sich immer weiter und weiter in das Holz hinein.

    und weil heute Faschingsdienstag ist - noch ein  Witzle......

    Ein Holzwurm kommt freudestrahlend nach Hause und verkündet unternehmungslustig: "Nun zieht euch mal chic an. Heute gehen wir groß aus und essen chinesisch. Im Antiquitätenladen sind Möbel aus Hongkong eingetroffen."

    Liebe Grüße
    Traudl

     

  • Die sieben Stäbe

    Mir gefällt diese "Rasselbande - die halten zusammen wie Pech und Schwefel "

     

    Zum Vergrößern bitte klicken!

     

    Die sieben Stäbe

    Ein Vater hatte sieben Söhne, die öfter miteinander uneins wurden. Über dem Zanken und Streiten versäumten sie die Arbeit.
    Ja, einige böse Menschen dachten schon daran, sich diese Uneinigkeit zunutze zu machen und die Söhne  nach dem Tod des Vaters um ihr Erbteil zu bringen.

    Da ließ der Vater eines Tages alle sieben Söhne zusammenkommen, legte ihnen sieben Stäbe vor, die fest zusammengebunden waren, und sagte: "Demjenigen von euch, der dieses Bündel Stäbe entzweibricht, zahle ich hundert große Taler."

    Einer nach dem anderen strengte alle seine Kräfte an und jeder sagte nach langem, vergeblichem Bemühen: "Es ist gar nicht möglich!"

    "Und doch", sagte der Vater, "Ist nichts leichter." Er löste das Bündel auf und zerbrach einen Stab nach dem anderen mit geringer Mühe. "Ei", riefen die Söhne, "so ist es freilich leicht, so könnte es ein kleiner Junge."

    Der Vater aber sprach: "Wie es mit diesen Stäben ist, so ist es mit euch, meine Söhne. Solange ihr fest zusammenhaltet, werdet ihr bestehen, und niemand wird euch überwältigen können. Wenn ihr aber untereinander zerstritten seid, so geht es euch wie den Stäben, die hier zerbrochen auf dem Boden herumliegen."

    (Christoph von Schmid)

    Ich wünsche Euch eine schöne Woche und viel Sonnenschein.

    :wave: Traudl

  • Zwei Engel.

    Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln, im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen.
    Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte, warum, antwortete der ältere Engel: "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
    In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut schliefen. Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld. Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können? "Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm", meinte er anklagend. Die zweite Familie hatte wenig, und du ließest die Kuh sterben. "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen", sagte der ältere Engel. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, sodass er es nicht finden konnte. Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen. Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
    Manchmal ist das genau das, was passiert, wenn die Dinge sich nicht als das entpuppen, was sie sollten. Wenn du Vertrauen hast, musst du dich bloß darauf verlassen, dass jedes Ergebnis zu deinem Vorteil ist. Du magst es nicht bemerken, bevor ein bisschen Zeit vergangen ist....

    (Verfasser unbekannt)

    Lieben Gruß
    Lilo

  • Spaß mit - Otto Reutter!

    Der gewissenhafte Maurer

    Ich hab' ein Haus in Berlin, das ist noch wie neu,
    Nur oben, da ging mal etwas entzwei.
    Nun fehl'n da oben ein paar Steine, 's müssen neue dorthin,
    Ich sagt' zu 'nem Maurer: "Na, die sind doch bald drin?"
    "Aber gewiss, lieber Mann, da fang'n wir gleich morgen an!"
    Also um acht soll er ankomm'n - 'ne Stunde vergeht -
    Da seh' ich ihn rankomm'n - ich sage: "'s ist spät!"
    "Nee", sagt er, "'s is neune - 's ist die richtige Zeit.
    Der Weg zählt doch mit - und ick wohne sehr weit.
    Ick wollt die Straßenbahn nehm'n - keine zu seh'n.
    Ick ruf 'n Auto - 'Besetzt!' - na, da musst ich doch gehn.
    Aber nun gehn wir ran - nu fang'n wir gleich an."
    Na, nun sieht er sich um, - recht gründlich, exakt -
    Was er mitgebracht hat - wird ausgepackt. -
    Er guckt rauf nach dem Haus. - "Da fehlt'n Stein an dem Fleck."
    Also nimmt er 'nen Stein - und legt ihn gleich wieder weg.
    Er sucht erst 'ne Leiter, um nach oben zu gehn, -
    Trägt sie acht Schritte weiter, - da schlägt es zehn.
    Na, nun frühstückt er 'n bißken, holt sein Pülleken raus, -
    Steckt die Pfeife in Brand - die geht fünfzehn mal aus. -
    Und wie sie brennt, sagt er dann: "Nu fang'n wir gleich an."
    Er nimmt noch 'ne Prise - es ist über elbe -
    Dann nimmt er den Stein - 's ist noch immer derselbe -
    Da muss er niesen - der Kopf wird ihm schwer.
    Er legt den Stein wieder weg - denn sonst gibts 'n Malheur.
    Er sucht nach 'nem Tuch - er hat leider kein's -
    Ich sage: "'s gut - hier haben Sie mein's."
    Nun fühlt er sich wieder wohl - wie'n Fisch in der Elbe
    Und dann nimmt er den Stein, 's ist noch immer derselbe -
    Und will auf die Leiter - da schlägt es zwölbe.
    Na, nu legt er'n Stein wieder weg - seine Frau bringt das Essen -
    Nach so 'ner Arbeit, da schmeckt's - 's wird feste gegessen.
    Sie setzt sich zu ihm, - er setzt sich zu ihr,
    Es gibt Karbonade und Gurken und Bier. -
    Dann liest er die Zeitung und sagt entrüstet zu ihr:
    "Du, da streiken sie wieder - die soll'n schaffen, wie wir. "Dann gibt er ihr 'n Küßken,
    Dann schläft er 'n bißken
    Und dann schlägt die Uhr zwei -
    Da ist schon die kurze Pause wieder vorbei. -
    "Nu", sagt er, "geht's ran -
    Jetzt fang'n wir gleich an!"
    Nun wird der Lehm umgerührt, - der weiche, der gelbe -
    Und dann nimmt er den Stein - 's ist noch immer derselbe -
    Da wird ihm schlecht - die Gurken, das Bier -
    Er legt den Stein wieder weg und nimmt sein Zeitungspapier,
    denn der Stein wäre weniger geeignet dafür -
    Und geht an 'ne Tür
    Und da steht: "Hier!"
    Kommt nach drei wieder raus aus dem kleinen Gewölbe
    Und dann nimmt er den Stein - 's ist noch immer derselbe -
    Und geht nun wirklich, ohne Rast, ohne Ruh',
    Mit dem Stein auf die Leiter - wat sagen Sie nu? -
    Die hat zwanzig Sprossen - jede 'n Fußbreit entfernt,
    Aber er geht unverdrossen, - gelernt ist gelernt.
    Da, bei der achtzehnten hält er. Die Uhr schlägt vier.
    's ist Feierabend - und er steht hier -
    Nicht oben, nicht unten - die Sache geht schief.
    Er darf nicht mehr weiter - nach'm Tarif.
    Er hat noch zwei Sprossen, - aber er darf sie nicht gehn -
    Oder achtzehn nach unten - ja, aber nicht mit'n Steen.
    Was soll er nun machen - so nah am Ziel?
    Er schwankt zwischen Arbeits- und Pflichtgefühl.
    Aber's Pflichtgefühl siegt - "'s ist egal", sagt er grob
    Und er lässt den Stein fallen - und mir uff'n Kopp. --

    Und wie ich schimpfe, da sagt er:
    "Warum stehn Sie denn hier? -
    Wir brauch'n Ihr'n Kopp nich -
    Sie könn' ja schaffen, wie wir. -"

    Deutscher Dichter und Komiker
    Otto Reutter 1870-1931

    Viele Sonntags-Grüße,
    Lilo.

  • Das Märchen von Liebe und Vertrauen!

    Es waren einmal zwei Menschen, die hatten sich sehr lieb.

    Sie konnten sich gar nicht vorstellen ohne einander zu leben. Und darum beschlossen sie eines Tages:
    Sollte einmal einer von ihnen sterben, dann würde der andere sein Leben aufgeben und ihm folgen, um zu zeigen, wie stark ihre Liebe für einander war.

    Eines Tages jedoch hatte der Mann die Idee, seine Frau zu prüfen und herauszufinden, wie sehr sie ihn liebe. Und so schickte er einen Gefährten zu seiner Frau nach Hause. Er sollte ihr erzählen, ihr Mann sei vom Baum gefallen und dabei zu Tode gekommen. Als die Frau das hörte, zerriss ihr der Schmerz schier das Herz und sie erinnerte sich ihres Versprechens, ging in ihr Haus und nahm sich das Leben.

    Als ihr Mann zurückkehrte und sie fand vergoss er bittere Tränen. Wie dumm war er doch gewesen! Er hatte nicht geglaubt, dass seine Frau das Versprechen halten würde. Er hatte ihre Liebe geprüft und sie dabei ganz verloren. Der Mann war sehr traurig. Doch ihr in den Tod zu folgen, dazu fehlte ihm der Mut.
    Nach einiger Zeit freilich fiel ihm auf, dass sein Haus immer sauber war und die Kinder versorgt. Das verstand er nicht, und er fragte sie, weshalb sie so fröhlich seien und wer Ordnung geschaffen habe.
    Ihre Antwort war einfach: Mutter hat alles gemacht. Da versteckte sich der Mann im Haus und wollte sehen, was passierte.
    Tatsächlich erschien seine Frau und war so schön und sah so lieb aus, dass es ihn nicht in seinem Versteck hielt. Er trat hervor und sagte ihr wie sehr er sie liebe, wie wunderbar ihre Augen leuchteten und er wollte sie umarmen und küssen.
    Die Frau antwortete: "Nein, nein, tu es nicht, denn ich bin gestorben und kann dann niemals wiederkommen und muss für immer gehen. Bitte tu es nicht!" Doch der Mann hatte seine Frau so lieb, dass er nicht begriff was sie meinte und wollte sie unbedingt in seinen Armen halten.
    Und er umarmte sie. Da hielt er in seinen Armen ein Knochengerüst.
    Die Frau ist nie wieder erschienen.

    Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße
    Lilo

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